WALTER GRAMATTÉ
(1897–1929)
Ausgewählte Werke
Mädchen am Spiegel, 1921, Aquarell über Tusche, 48,2 x 37,3 cm,
signiert, datiert, gewidmet Dr. Rauert im Juli 1921
WVZ Eckhardt A 86
In unseren neuen Räumen in der Braubachstraße 12 präsentiert das Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath Gemälde und Arbeiten auf Papier des Expressionisten Walter Gramatté (1897-1929) – parallel zu dem für 2010/11 vom Kulturfond Rhein-Main ausgerufenen Kooperationsprojekt „Phänomen Expressionismus“. Hanna Bekker vom Rath hatte Werke Gramattés erstmals 1952, im fünften Jahr des Bestehens ihrer Galerie, in einer Einzelausstellung präsentiert.
Gramattés Werk, einzuordnen zwischen spätem Expressionismus und Magischem Realismus, spiegelt die Nachwirkungen der Schrecken des 1. Weltkrieges, die Ratlosigkeit einer ganzen Nation und seine persönlichen gesundheitlichen und finanziellen Nöte wider. Mit dem 14 Jahre älteren Erich Heckel verband Walter Gramatté eine intensive künstlerische wie auch private Freundschaft. Karl Schmidt-Rottluff, ebenfalls ein guter Freund, entwarf den Grabstein des früh an Tuberkulose Verstorbenen und fungierte als Nachlassverwalter. In Max Beckmanns leerstehender Hermsdorfer Villa lebte der Künstler mit seiner Frau eine Zeitlang, bis er die Heizung nicht mehr zahlen konnte.
Mädchen am Tisch (Samowar), 1922, Öl auf Leinwand, 78 x 67 cm
monogrammiert, datiert, rückseitig auf der Leinwand signiert,
datiert und betitelt, auf dem Keilrahmen bezeichnet „W. Gramatté 22“ und betitelt,
auf dem Rahmen ebenfalls Bezeichnungen des Künstlers,
Negendanck 90, Abb. S. 149; Eckhardt B 88
Die Ausstellung umfasst Werke in Öl, Tusche, Farbkreide sowie Aquarelle, Lithographien und Farbradierungen. Die „Kreuzabnahme“ von 1919, ein Schlüsselwerk, erweist sich gleichzeitig als Protest und Anklage gegen die durch den Krieg verursachten Leiden, die der Künstler als Sanitätshelfer aus nächster Nähe erleben musste. Farbig lebendig, aber formal beruhigt sind die Landschaften, die wie z.B. „Barcelona“ in jenen zweieinhalb Jahren entstanden, die der Künstler mit seiner Frau Sonia in Spanien verbrachte, ehe sie 1926 zurückkehrten. Der dritte Komplex umfasst die Portraits, darunter eindrucksvolle von Sonia und auch Selbstportraits wie das „Selbst mit erhobenen Händen“, in dem er sich selbst in einer Art Zeige-Deine-Wunden-Geste darstellt.